Mit der Rundung von Tarifa, dem südlichsten Punkt des europäischen Festlands, kreuzen wir erstmalig seit 5. Oktober 2022 nach 1.398 Tagen unser Kielwasser. Das bedeutet, dass unser Abenteuer Atlantik mit zwei Ozeanüberquerungen damit offiziell beendet und der Kreis geschlossen ist. Ein denkwürdiger Augenblick, an dem wir unsere Bordglocke läuten, einen Moment innehalten und einen Logbucheintrag verfassen (wie es der seemännische Brauch vorsieht):
Runden Tarifa damit Kreuzen des Kielwassers nach 4 Jahren. Godspeed



Die am Vortag dokumentierte Orca-Interaktion mitten in der Einfahrt der Bucht von Gibraltar im Hinterkopf, die ruppige Welle um das Kap und eine eher kurze Nacht lassen höhere literarische Ergüsse in dem Moment nicht zu. Aufgrund von ersterer schleichen wir uns an der Küste immer innerhalb der 20 m Linie entlang und missachten zugunsten dessen jegliche Kardinalzeichen, die offensichtlich mit den Orcas unter einer Decke stecken und uns ins tiefe Wasser locken wollen. Mit Strömung und Gesetz gegen uns schaffen wir es teils segelnd, teils motorend, teils unter Segeln dümpelnd an unser geplantes Ziel: die Marina Alcaidesa in La Linea de la Conception, besser bekannt als Gibraltar hat ja auch irgendwie einen spanischen Teil, oder?.









Nach dem Überschreiten der Landebahn des Flughafens und der jetzt passfreien Einreise in das britische Hoheitsgebiet Gibraltar stopfen wir uns leicht übermüdet ob des aufregenden Schlags mit Fish & Chips voll. Nach einem Cocktail im fancy Teil des Landes (?), neben einem Schiff-Hotel-Casino-Gebäude, das das Spiel Hotel oder Kreuzfahrtschiff? durchgespielt hat, verabschieden wir am nächsten Tag Andi und Benni vom Boot. Nachdem wir gemeinsam aus Genua geflüchtet, ein bisschen in Lefkas gesegelt sind und den Jahreswechsel von 2022 auf 2023 in der Karibik verbracht haben, ist es nur stilecht, dass sie uns auch bei der Rückkehr ins Mittelmeer begleitet haben. Adieu Atlantik!









Bei unserem letzten Aufenthalt in Gibraltar 2022 war der berühmte Affenfelsen nebelverhangen und wir viel zu aufgeregt zum Sightseeing vor unserer ersten Atlantikpassage. Diesmal buchen wir dafür das volle Touriprogramm: Der Affenfelsen (diese Affen! dieser Ausblick!), der südlich gelegene Leuchtturm Punta America (dich holen wir uns morgen!), eine Höhle (auch imposant) und vieles mehr. Besonders britisch mutet die Anekdote von Vizeadmiral Horatio Nelson an, der in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 ums Leben kam. Um seinen Leichnam konserviert nach London zurückzubringen, wurde er auf einem Zwischenstopp in Gibraltar in ein Fass mit Brandy eingelegt. Nach mehreren Tagen auf See begann die Besatzung der HMS Victory schließlich, Löcher in seine temporäre Ruhestätte zu bohren und den Brandy zu schlürfen. Diese Art Fusel zu stibitzen wurde allerdings so häufig praktiziert, dass sie einen eigenen Namen hat – sucking the monkey.










Da wir uns nicht ganz sicher sind, ob die Westküste von Gibraltar schon zum Mittelmeer zählt, umrunden wir nach einem windigen Ablegemanöver zwei Tage später noch den Felsen und legen in La Duquesa mit Muringleine (!) an. Wir sind also offiziell aus dem Gezeitenrevier raus und im römisch-katholischen Mittelmeer angekommen sind, wobei römisch-katholisch das Anlegen mit dem Heck zur Mole bezeichnet.


2022 – 2026
La Duquesa, der schöne Teil des Orts Manilva, ziemlich genau zwischen Gibraltar und Marbella gelegen, bietet dem gemeinen britischen Touristen und uns sämtliche Annehmlichkeiten, die es zum Urlauben braucht – Irish Pubs, Cocktailbars, Pizzerien, Inder, eine belgische Brasserie, ein Steakhouse, eine American Bar, Grillhäuser, einen Vietnamesen – man versteht worauf es hinausläuft… Nach einigem Hin- und Herüberlegen beschließen wir, es hier gut sein zu lassen, frönen der kulinarischen Vielfalt, besuchen den wenige Meter entfernten Hausstrand und vertäuen Mêlée für die nächsten sechs Wochen.







