Tales of Mêlée




Tales of Mêlée ist der Reiseblog der Segelyacht Mêlée und ihrer Crew. Hier gehts zu unseren Erlebnissen:
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Sherry Sherry Lady
Ein Gastbeitrag von Alice & Wolfi (Fortsetzung):
Tags darauf brechen wir über den Seeweg Richtung Port Sherry auf. Die wunderschön sommerlichen 5 sm hinter uns gebracht, stellen wir – Wolfi und Alice – fest, dass es wohl Usus ist, erstmal an einem Welcome-Steg anzulegen, um sich anzumelden und danach erst den zugewiesenen Liegeplatz aufzusuchen. Welcome-Steg klingt nach einem freundlichen Empfangskomitee, das Tinto de Verano bereit hält und beeindruckt applaudiert, sobald Bernhard das seitliche Anlegemanöver mit fast mehr Präzision als Bravour absolviert hat. Leider aber müssen wir uns die Drinks selbst mischen (Hülse auf, „Im Namen des Fremdenverkehrsvereins Port Sherry heißen wir uns herzlich Willkommen!“), nachdem wir wieder an einem Fingersteg angelegt haben. Auch Fingerstege sind ein Novum für uns beide, das wir weder aus Kroatien, Griechenland noch Mallorca kennen.






Port Sherry
Bereits sehr früh am nächsten Tag treten wir mehr oder weniger verschlafen die Fahrt nach Sancti Petri – 17 sm gen Süden – an, wo uns wieder ein Novum erwartet: Eine Flussmündung, die nicht durch besonders viel Platz, dafür mit umso mehr Strömung gekennzeichnet ist. Auch diese Herausforderung des Bojenanlegemanövers mit Strömung meistern wir mit vereinten Kräften. Die sommerlichen Temperaturen verleiten manche von uns dazu, sich zuerst in die Badeeinserpanier und uns dann gegenseitig ins Wasser zu schmeißen. Es ist saukalt und auch sautrüb im Brackwasser, weil der Fluss eben immer wieder in die eine und dann in die andere Richtung strömt (Gezeiten!) und dadurch den Grund aufwirbelt. Zeit meines Lebens bin ich (Wolfi) davon ausgegangen, dass Brackwasser einfach dreckiges Wasser bezeichnet, also Wasser nach dem Geschirr abwaschen – Brackwasser.
Doch was ist Brackwasser?
Brackwasser ist die Mischung aus Süßwasser und Salzwasser. Es ist zu salzig, um als Trinkwasser zu gelten, aber zu süß, um als echtes Meerwasser durchzugehen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Salinität (dem Salzgehalt). Brackwasser entsteht also überall dort, wo Süßwasserquellen auf das Meer treffen oder der Wasseraustausch mit dem offenen Ozean eingeschränkt ist, z.B. Binnenmeere, küstennahe Lagunen oder eben Flussmündungen.
Weiter im Text bzw. im Brackwasser: Wir genießen Sonne, Pimientos de Padrón und den Nachmittag. Weniger genießen wir die unverschämt knapp vorbeifahrenden Jetskis – Wos is mit eich, es Wappla?! Davon lassen wir uns aber nicht weiter ärgern und genießen lieber den ausklingenden Sommerabend im März. Die Nacht ist unruhig, da sich Schwell und Wind nicht einig werden, woher sie kommen und wohin sie gehen. So stelle ich mir einen Moshpit vor (Anm. Alice).




Bojenfeld im Caño de Sancti Petri
Am nächsten und zugleich letzten Segeltag geht es zurück nach Cádiz, wo in einer gar nicht so aufwendigen Aktion der Impeller von Bernhard und Wolfi getauscht wird. In trauter Zweisamkeit knien sie am Boden des Klosetts und beratschlagen in andächtiger Manier über das kleine Gummiteilchen, das immer wieder die Aufmerksamkeit von Bootsleuten auf sich zieht.
Danach erkunden wir die Stadt und verspeisen in einem idyllischen Marktplatzrestaurant lokale Köstlichkeiten wie Salmorejo (eine aus Cordoba – i werd narrisch! – stammende kalte Suppe) und einen Thunfischeintopf, der ursprünglich aus einem kleinen Fischerdorf nahe Cádiz stammt.
Frohe Ostern bringt der nächste Morgen, an dem wir uns gegenseitig unsere Eier bemalen und brunchen.




Während Bernhard und Pia eine Ankerwinsch instandsetzen und 111 andere Punkte auf ihrer To-Do Liste erledigen, strandeln wir durch die Stadt und… Überraschung… schlagen uns mit Tapas und Bier durch den Nachmittag.
Der zuvor kaltgestellte Sherry ist endlich wohl temperiert und laut KI nun hervorragend zum Verzehr geeignet. Zu einer eigens zusammengestellten Playlist, die ausschließlich aus Songs besteht, die zumindest sehr entfernt etwas mit Sherry zu tun haben, entdecken wir, dass Sherry gar nicht dieses süße Likörgetränk aus der Hausbar unserer Großeltern ist, wie wir uns das vorgestellt hatten.



Die letzte Nacht ist laut, windig und von Vorfreude auf die Abreise geprägt. Danke Wind, ich war zwar genervt, dass es schon wieder vorbei ist, aber in dem Moment war ich dann doch sehr glücklich darüber.




Raus aus Cádiz, rein nach Sevilla und in die Kapsel, in der wir die Nacht verbringen. Die Erfahrung aus dem Kapselhotel lässt sich anhand von folgender Beobachtung zusammenfassen: Vielleicht sind wir da zu alt und zu konservativ, aber der Spaß an der Digitalisierung endet da, wo man vor dem Zähneputzen noch das Softwareupdate des digitalen Wasserhahns mit einrechnen muss.
Schön wars! CU soon!
