Guadiana heißt der Fluss, der die portugiesischen Südküste - die Algarve - von der spanischen Südküste - Andalusien - trennt. Wir segeln immer Richtung Osten die gesamte Küste entlang, wobei die Gezeitenströme in den zahlreichen Flüssen entlang des Golfs von Cádiz und der Ostwind, der aus der Straße von Gibraltar herauspfeift keine Langeweile aufkommen lassen.

- 06.10.2025 – 02.08.2026
- Portimão, Portugal – Bolonia, Spanien
- 333 sm
- 9 Flussmündungen
- mit dabei: Max, Alice, Wolfi, Andi, Benni
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The current situation
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Unter dem Motto Ihr habts ja gar keinen Anspruch mehr! planen wir unsere 10-tägige Dümpelei an der portugiesischen (Algarve) und später spanischen (Andalusien) Südküste in kurzen Tagesschlägen. Zu dem Zeitpunkt ist uns noch nicht so ganz bewusst, dass wir uns in einem Gezeitenrevier mit über 3 m Tidenhub zur Springzeit (Vollmond) befinden, was präzise Planung und vertiefte Recherchen bedingt. Besonders die Einfahrten in die zahlreichen Flussmarinas stellt uns als schwachmotorisiertes Kielboot noch vor Fragezeichen in der Machbarkeit bzw. Planbarkeit.
Zudem hängt das Thema der Orca-Attacken auf Segelboote über uns wie ein Damoklesschwertwal: Da wir die Angelegenheit in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt haben, kennen wir alle guten Taktiken zur Prävention (Flachwasser, Vermeiden bestimmter Gebiete in der betroffenen Saison, Verfolgen von Sichtungen) und auch die weniger erfolgreichen, wie Rückwärtsfahren (Fische können nicht rückwärts schwimmen wurde uns in Santa Maria überzeugend erklärt) sowie Sand, Diesel, Böller und ähnliches.
Portimão
Die Vorbereitungen halten sich kurz und effizient, auch dank des für einen Tag gemieteten elektrischen Mustangs mit 300 PS. 36 Stunden nach Ankunft sind wir auch schon unterwegs und rasen mit unserer 47 PS Dampfmaschine, später auch unter vollen Segeln, Richtung Vilamoura. Rasen bedeutet in diesem Fall die Geschwindigkeit, mit der ein Rasen wächst.




Vilamoura
Gezeit: Trotz Vollmond ist hier noch nichts von Gezeiteneinfluss zu bemerken, wodurch wir in dem klassischen Urlaubsort mit Flaniermeile noch keinen Gedanken daran verlieren. Als besondere Attraktion der Marina gibt es einen Falken samt Falkner, die ihre Runden in der Marina ziehen und für die Vertreibung von kackenden Seemöwen zuständig sind.
Gehzeit: Wir spazieren die Strandmeile rauf und runter und sehen dabei tausende Restaurants, insbesondere Irish Pubs und ebenso viele dazu passende britische Touristen.
Die Marina gilt als extrem sicher gegen Kriminalität – das erleben wir aus erster Hand: Der Schließmechanismus an den Toren öffnet sich auch für Berechtigte mit key cards nicht, sodass wir für deren Öffnung jedes Mal auf Securitys mit Mopeds angewiesen sind. Stehzeit rund 30 Minuten.





Ria Formosa
So heißt die große Lagune vor Faro, in deren mehr oder weniger offiziellem Bojenfeld wir die nächste Nacht nach einer gemütlichen Segelei verbringen.
Gezeit: Die schmale Einfahrt zur Lagune ist mit einem künstlichen Wellenbrecher versehen und erstmals und immens wirken die Gezeiten des Reviers auf uns. Wir nähern uns ca. 1,5 h vor Hochwasser vorsichtig an und die 6 kn starke Tidenströmung saugt uns in die Flusslandschaft hinein wie Rohrpost. Wie auf einer Wildwasserbahn flitzen wir mit 10 kn (das sind immerhin 18 km/h!) im Slalom an den Lateralzeichen vorbei.
Wir planen dementsprechend akribisch den nächsten Tag, um pünktlich und entspannt zum Stillwasser aus der Lagune auszufahren und 6 oder 12 Stunden später in den nächsten Fluss einzufahren.
Gehzeit: …beläuft sich auf null Minuten. Eine Nacht an der Boje haben wir seit langem nicht gehabt und der Fischerort überzeugt uns nicht zu einem Landgang, der ehrlicherweise auch mit dem Aufpumpen des Dinghy und Instandsetzen des stinkenden Außenborders verbunden wäre.






Vila Real Do Santo Antonio
Gezeit: Nach intensiver Gezeitenforschung ist sich die Ausfahrt aus der Ria Formosa deutlich angenehmer, gefolgt von wunderbarem Segeln exakt an der 19,9 m Tiefenlinie (Pech gehabt, Orcas!). Abends gestaltet sich das Anlegen im Río Guadiana, der die Grenze zwischen Portugal und Spanien darstellt, bei einer Strömung von 3 kn wiederum spannend, aber dank Hilfe vom Steg erfolgreich. Hier herrscht Tidenströmung gegen Flussströmung gegen Wind, und auf Nachfrage erfahren wir, dass Manöverchaos zum Alltag gehört.
Gehzeit: …eine Stunde im Zickzack durch das nette, touristische Örtchen und den Jahrmarkt strandelnd. Wir überfressen uns in üblichem Maße und schauen dem Herrn Magister bei seiner rekordträchtigen Arbeit gegen elf Pizzabäcker zu.
Morgen um diese Zeit sind wir schon in Spanien. Tchau Costa Portuguesa!








El Rompido
Gezeit: Die Bedingungen werden optimiert und kurz nach Niederwasser laufen wir bei Stillwasser (d.h. bei nur 1,5 kn Flussströmung) aus dem Hafen von Santo Antonio aus. Präzise treffen wir nach absichtlich ineffizientem Segeln und unserem ersten echten Badestopp im Atlantik zu Hochwasser (the tide is high) im Río Piedras ein. Plötzlich sind wir in Spanien und noch dazu in einem besonders spanisch klingenden Ort: El Rompido 💃🏻 liegt einige Meilen flussaufwärts und ist überhaupt nur bei Hochwasser erreichbar.
Gehzeit: Da der Ort im Grunde nur eine große Golfanlage ist, verbringen wir den Abend nach einem 15-minütigen Spaziergang und zwei spanischen Bieren am Boot mit Segelspaghetti™. Während wir in einer außergewöhnlich ruhigen Nacht schon in der Koje liegen, legen die Steinwälzer am Steg mit ihren langen Beinen und spitzen Schnäbeln noch einige aufgeregte Meter zurück. ¡Hola costa sur española!












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Die Entdeckung Puerto Américas
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Wir haben das strömungsfreie und vor allem auch orcafreie Revier der südspanischen Atlantikküste erreicht. Spätestens jetzt ist auch allen an Bord klar, dass wir es in diesem Törn nicht durch die Straße von Gibraltar schaffen werden. Die Wetterlage mit tagelangem Gegenwind aus der Straße hinaus würde das zu einem mühsamen, vermutlich sogar aussichtslosen Unterfangen machen. Wir reservieren also schon mal einen Winterliegeplatz für Mêlée in Cadiz und segeln weiter in kurzen Etappen die Küste entlang.
Huelva
Durch die Weitläufigkeit des Flusses Río Odiel ist diesmal kaum Strömung zu spüren und so ist die einzige Herausforderung, mit der Tristheit des umgebenden Industriegebiets klarzukommen.
Huelva ist hübsch und modern und außerdem der Ort, an dem Christoph Kolumbus einst los segelte, um fremde Welten zu entdecken. Er ist dementsprechend hier in Form von Statuen, Straßen und Gebäuden verewigt. Bei sommerlichen Temperaturen verbringen wir einen halbtägigen Stadtbummel und legen einige Meter, im Parque Alonso Sánchez auch einige Höhenmeter zurück. Die Stadt ist vor allem abends sehr belebt, aber wenig touristisch (wer verirrt sich hierher?), was man auch daran merkt, dass es vor 20:30 Uhr kein Abendessen für uns Mitteleuropäer gibt.














Highlight der Stadt ist Muelle de Riotinto, ein stillgelegtes Dock, zu dem in Zeiten des Wilden Westens Erze über eine 80 km lange Schienenstrecke aus den nördlich gelegenen Minen an den Río Odiel zum Verschiffen transportiert wurden. Heute kann man auf den sanierten und beleuchteten Überresten des Docks spazieren, angeln oder Verstecken spielen.








Der kürzeste Tagesschlag führt uns 10 sm vom quasi Landesinneren wieder an die Küste, zurück durch den Fluss Odiel und vorbei an den schmucken Kraftwerken, Chemiefabriken und Öltankern in die Marina Mazagón. Von einem entgegenkommenden Frachtschiff lassen wir uns, während wir mit 2,5 kn unter Segeln dahindümpeln, dann aus dem Fahrwasser drängeln. Er funkt nicht, er hupt nicht, aber seine 200 m Länge reichen uns als Signal, uns ganz langsam zu verkrümeln.





Den letzten längeren, 30-meiligen Schlag nach Chipiona verbringen wir mit gemütlichem, langsamen Segeln, gefolgt von einem netten Cena. Nachdem wir erst spät dort anlegen, spanischer Feiertag ist und unsere Eindrücke von dem Ort deutlich voneinander abweichen, wollen wir hier keine weiteren Zeilen verlieren.


Cádiz
Die letzten Meilen des Jahres 2025 im Kielwasser, legen wir an der Tankstelle des Puerto América in Cádiz an, wo wir erstmal eine 4 m lange Leiter hinaufklettern müssen, um im Hafen einzuchecken. Die Marina ist ruhig und recht geschützt, es sind zu dieser Jahreszeit (oder immer?) nur wenige Segelboote hier. Wir bekommen unseren festen Liegeplatz zugewiesen und beginnen Mêlée auf den kommenden milden Winter in Südspanien vorzubereiten.



Es bleibt noch ein halber Tag, um Cádiz im Schnelldurchlauf zu erkunden. Hat man es erstmal an dem weitläufigen Containerhafen vorbei geschafft, wird man mit der belebten und wunderschönen Altstadt mit ihren vielen Restaurants, netten Gässchen und schöner Architektur belohnt. Durch die zahlreichen größeren und kleineren Parks und Plätze verliert sich auch der Kreuzfahrttourismus (täglich fahren Kreuzfahrtschiffe ein und aus), belebte Gassen werden durch kleine Stadtwälder kontrastiert.









Anekdote zum Abschluss: Für die Fahrt zum Flughafen Sevilla haben wir einen Toyota Aygo aus dem Kleinstwagenspektrum gebucht. Angekommen beim Mietwagenverleih wird uns mitgeteilt, dass sie jetzt gerade überhaupt kein Auto für uns zur Verfügung haben und vermutlich heute gar nicht mehr. Wobei die Geschichte für die freundlichen Mitarbeiter damit erledigt scheint. Etwas perplex und nach Lösungen suchend, deute ich mit den Worten Das ist doch ein Auto, oder? auf die Reihe an Lieferwägen vor dem Büro. Nach Rücksprache mit der Flughafenfiliale aufgrund berechtigter Sorgen zur dortigen Einfahrtshöhe, dürfen wir schließlich mit einem Lieferwagen Richtung Sevilla brausen, wobei wir davor den großzügigen Stauraum noch nutzen, um den Vorrat an Wasserflaschen auf der Mêlée aufzustocken und uns eine Pizza zu holen.
Bevor wir es nächstes Jahr – diesmal ganz bestimmt – ins Mittelmeer schaffen, hoffen wir auf die eine oder andere Art noch ein paar Tage im schönen Cádiz zu verbringen.


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Vuelta Cádiz
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Proclaimer: Wir hinken blogtechnisch etwas hinterher, wollen aber trotzdem nicht vernachlässigen was sich vor rund zwei Monaten (und mehr) in Südspanien zugetragen hat.
Es begab sich, dass es Max und Bernhard innerhalb von vier Monaten zwei Mal nach Cádiz verschlug. Im letzten Herbst war es nur ein Kurzurlaub für Instandhaltungsarbeiten, Sightseeing und etwas Sonne tanken.














Im März jedoch schaffen wir es nach weiteren drei Bootsbasteltagen gemeinsam mit Pia auf der Mêlée tatsächlich aus dem Cádiz’schen Hafen heraus. Nach einer nur dank Strömung überhaupt möglichen nahezu vollständig flautigen Segeletappe von 6 sm schaffen wir es als echte Leichtwindmatrosen das schmucke Nachbarstädtchen Rota zu besichtigen.






Rota
Flaute und Sturm wechseln sich quasi täglich ab. Aufgrund von Zweiterem und allen Fallen, die ding di-di-di ding ding ding ding ding machen, fahren wir kurzerhand mit dem Mietauto landeinwärts nach Jerez de la Frontera. Um welche Frontera es sich hier handelt, ist uns zwar ein Rätsel – es handelt sich jedoch um die Geburtsstadt des Sherry.




Jerez de la Frontera
Nach ein paar sonnigen, aber auch windigen Tagen machen wir uns auf nach Sevilla, wo wir einen fliegenden Crewwechsel vollziehen und Alice und Wolfi aufklauben. Sevilla stellt sich als wesentlich sehenswerter heraus als wir erwartet haben – hier einige Impressionen:













Sevilla
Disclaimer: Die nächsten Blogbeiträge werden wieder gekapert, wir übernehmen keinerlei Verantwortung für die nachfolgenden Inhalte.
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Rota – eine Nebenmission
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Ein Gastbeitrag von Alice & Wolfi:
In einer leicht verdrehten Welt gönnen wir uns etwa einmal im Jahr einen All-Inclusive Club Urlaub à la Magic Life, wer sich daran noch zu erinnern wagt. Der Anbieter, den wir bevorzugen, hat unter anderem Standorte in Kroatien, Mallorca und sogar in der Karibik. Dieses Jahr entschieden wir uns für einen Vorsaison-Trip mit der Destination Andalusien, Cádiz. Und wie nicht anders zu erwarten, hatten wir wieder eine sehr entspannte Woche im Mêlée. 4,5 Sterne, would recommend, Yelp-Review folgt.
Mêlée steht in einer kleinen Marina in einem Industriegebiet, das irgendwann mal für eine Expo mit prunkvollen Bauten aufgehübscht werden sollte, was aus Gründen, die inzwischen leider wieder vergessen wurden, nie passiert ist. Der nun einzige davon zeugende Luxus ist eine verdammt lange Promenade, die zurückzulegen ist, um zur Marina zu kommen – verdammt!





Was sich aber durchaus als Luxus bezeichnen lassen kann sind viele kleine Veränderungen, die Mêlée erhalten hat, seitdem wir sie das letzte Mal 2023 in der Karibik gesehen haben: Es gibt jetzt ein fantastisches Bimini mit Sichtfenster auf das freshe neue Großsegel und die hotteste neue Genua unter der sengenden spanischen Sonne, einen High End-Stangenselleriehalter und sogar eine nigelnagelneue Ankerwinsch.
Beschenkt mit Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen, eine willkommene Abwechslung nach einem harten Berliner Winter – would not recommend – starten wir in eine entspannte Segelwoche. Am kommenden Tag nutzen wir ein gutes nachmittägliches Wind- und Wetterfenster, um eine kurze 5 sm-Strecke unter Segeln nach Nordwesten zurückzulegen. Willkommen in Rota!










Rota de nuevo
An- und Ablegen sowie jegliches sonstiges Boothandling haben Bernhard, Pia und Mêlée mittlerweile komplett durchgespielt und alle Achievements und Abzeichen, die man dafür bekommen könnte, eingeheimst. Wir versuchen diese präzise Choreografie nicht zu verunstalten und die uns anvertrauten Leinen mit entsprechender Eleganz zu bedienen. Das gelingt Anfangs ok-ish, aber nach einer kleinen Feedbackrunde bei einem Anlegebier dann den Rest der Woche sehr gut. Thank god sind wir alt genug – ja, auch dass wir Bier trinken dürfen, thank god – aber auch alt genug, eine zumindest irgendwie geartete Feedbackkultur etabliert zu haben, die Probleme mit der Zeit aus dem Weg räumt.
Wo waren wir? Ah right, wir haben eine kleine Nebenmission in Rota begonnen – Missionsziel: Finde die Tapas Bar im Dorfzentrum. Easy, die Mini-Map links unten zeigt 10 Gehminuten durch ein paar kleine Gassen zum Ziel – let’s go!
Schon bald wird aber klar, dass das als Open World vermarktete Game ein bisschen getrickst hat und sich mehr und mehr schlauchig anfühlt. Schon nach wenigen Metern geht es für uns nicht mehr weiter. Eine unüberwindbare Menschenwand am Ende der Gasse. Am Ende jeder Gasse. Eine Ansammlung aus NPCs, die keine Anstalten machen uns durchzulassen. Warum? Keine Ahnung. Immer weiter fortgeschritten im Level treffen wir plötzlich auf vermummte Bösewichte (?) mit schwarzen Kutten, okkulten Gegenständen in den Händen und spitzen Hüten auf den Köpfen, die ihre Gesichter verdecken. Kein Plan wie weit der letzte Autosave zurückliegt.
Wir entscheiden uns für den langsamen aber sicheren Weg, packen unsere mêlée weapons wieder zurück ins Inventar und schleichen zurück zum Hafen, um die Osterprozession, zu der offenbar nicht nur ganz Rota, sondern auch alle umliegenden Gemeinden angereist sind, großflächig zu umgehen. Nach 2,5 Tagen In Game-Zeit gelingt uns das und wir schließen die Mission erfolgreich mit dem Erreichen der Tapasbar und dem Inhalieren unseres ersten Tinto de Verano ab. Speichern.
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Sherry Sherry Lady
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Ein Gastbeitrag von Alice & Wolfi (Fortsetzung):
Tags darauf brechen wir über den Seeweg Richtung Port Sherry auf. Die wunderschön sommerlichen 5 sm hinter uns gebracht, stellen wir – Wolfi und Alice – fest, dass es wohl Usus ist, erstmal an einem Welcome-Steg anzulegen, um sich anzumelden und danach erst den zugewiesenen Liegeplatz aufzusuchen. Welcome-Steg klingt nach einem freundlichen Empfangskomitee, das Tinto de Verano bereit hält und beeindruckt applaudiert, sobald Bernhard das seitliche Anlegemanöver mit fast mehr Präzision als Bravour absolviert hat. Leider aber müssen wir uns die Drinks selbst mischen (Hülse auf, „Im Namen des Fremdenverkehrsvereins Port Sherry heißen wir uns herzlich Willkommen!“), nachdem wir wieder an einem Fingersteg angelegt haben. Auch Fingerstege sind ein Novum für uns beide, das wir weder aus Kroatien, Griechenland noch Mallorca kennen.






Port Sherry
Bereits sehr früh am nächsten Tag treten wir mehr oder weniger verschlafen die Fahrt nach Sancti Petri – 17 sm gen Süden – an, wo uns wieder ein Novum erwartet: Eine Flussmündung, die nicht durch besonders viel Platz, dafür mit umso mehr Strömung gekennzeichnet ist. Auch diese Herausforderung des Bojenanlegemanövers mit Strömung meistern wir mit vereinten Kräften. Die sommerlichen Temperaturen verleiten manche von uns dazu, sich zuerst in die Badeeinserpanier und uns dann gegenseitig ins Wasser zu schmeißen. Es ist saukalt und auch sautrüb im Brackwasser, weil der Fluss eben immer wieder in die eine und dann in die andere Richtung strömt (Gezeiten!) und dadurch den Grund aufwirbelt. Zeit meines Lebens bin ich (Wolfi) davon ausgegangen, dass Brackwasser einfach dreckiges Wasser bezeichnet, also Wasser nach dem Geschirr abwaschen – Brackwasser.
Doch was ist Brackwasser?
Brackwasser ist die Mischung aus Süßwasser und Salzwasser. Es ist zu salzig, um als Trinkwasser zu gelten, aber zu süß, um als echtes Meerwasser durchzugehen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Salinität (dem Salzgehalt). Brackwasser entsteht also überall dort, wo Süßwasserquellen auf das Meer treffen oder der Wasseraustausch mit dem offenen Ozean eingeschränkt ist, z.B. Binnenmeere, küstennahe Lagunen oder eben Flussmündungen.
Weiter im Text bzw. im Brackwasser: Wir genießen Sonne, Pimientos de Padrón und den Nachmittag. Weniger genießen wir die unverschämt knapp vorbeifahrenden Jetskis – Wos is mit eich, es Wappla?! Davon lassen wir uns aber nicht weiter ärgern und genießen lieber den ausklingenden Sommerabend im März. Die Nacht ist unruhig, da sich Schwell und Wind nicht einig werden, woher sie kommen und wohin sie gehen. So stelle ich mir einen Moshpit vor (Anm. Alice).




Bojenfeld im Caño de Sancti Petri
Am nächsten und zugleich letzten Segeltag geht es zurück nach Cádiz, wo in einer gar nicht so aufwendigen Aktion der Impeller von Bernhard und Wolfi getauscht wird. In trauter Zweisamkeit knien sie am Boden des Klosetts und beratschlagen in andächtiger Manier über das kleine Gummiteilchen, das immer wieder die Aufmerksamkeit von Bootsleuten auf sich zieht.
Danach erkunden wir die Stadt und verspeisen in einem idyllischen Marktplatzrestaurant lokale Köstlichkeiten wie Salmorejo (eine aus Cordoba – i werd narrisch! – stammende kalte Suppe) und einen Thunfischeintopf, der ursprünglich aus einem kleinen Fischerdorf nahe Cádiz stammt.
Frohe Ostern bringt der nächste Morgen, an dem wir uns gegenseitig unsere Eier bemalen und brunchen.




Während Bernhard und Pia eine Ankerwinsch instandsetzen und 111 andere Punkte auf ihrer To-Do Liste erledigen, strandeln wir durch die Stadt und… Überraschung… schlagen uns mit Tapas und Bier durch den Nachmittag.
Der zuvor kaltgestellte Sherry ist endlich wohl temperiert und laut KI nun hervorragend zum Verzehr geeignet. Zu einer eigens zusammengestellten Playlist, die ausschließlich aus Songs besteht, die zumindest sehr entfernt etwas mit Sherry zu tun haben, entdecken wir, dass Sherry gar nicht dieses süße Likörgetränk aus der Hausbar unserer Großeltern ist, wie wir uns das vorgestellt hatten.



Die letzte Nacht ist laut, windig und von Vorfreude auf die Abreise geprägt. Danke Wind, ich war zwar genervt, dass es schon wieder vorbei ist, aber in dem Moment war ich dann doch sehr glücklich darüber.




Raus aus Cádiz, rein nach Sevilla und in die Kapsel, in der wir die Nacht verbringen. Die Erfahrung aus dem Kapselhotel lässt sich anhand von folgender Beobachtung zusammenfassen: Vielleicht sind wir da zu alt und zu konservativ, aber der Spaß an der Digitalisierung endet da, wo man vor dem Zähneputzen noch das Softwareupdate des digitalen Wasserhahns mit einrechnen muss.
Schön wars! CU soon!
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Was soll man da tun, Fisch?
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Eine Beschwerde:
Sehr geehrte Damen & Herren,
ich wollte mit meiner Familie einfach einen gemütlichen Urlaub verbringen, ohne mich – wie sonst auch immer – um alles und jeden kümmern zu müssen. Leider wurde mir dies seitens Ihrer unfähigen Organisation gehörig vermiest und ich hatte die acht SCHLECHTESTEN TAGE MEINES LEBENS!! Meine ausführliche Kritik an der miserabel geplanten Reise bezieht sich auf vier wesentliche Punkte, die ich im folgenden erläutern werde:
Cádiz:
Zunächst muss ich festhalten, dass die Anreise in unseren wohlverdienten Urlaub eine absolute Zumutung war. Wie soll man bitte mit einem Abflug um 6:00 Uhr in der Früh, einem weiteren Anschlussflug und einer 1,5 Stunden langen Taxifahrt durch die Hitze Spaniens (bei der es im Auto aufgrund der Klimaanlage eiskalt ist!!!) entspannt in einen Urlaub starten? Als wir dann endlich PÜNKTLICH nach stundenlanger Anreise am Zielort – dem Schiff Mêlée im Hafen von Cádiz – ankamen, waren unsere Zimmer noch nicht beziehbar! Wir konnten nicht einmal das Innere betreten, um uns kurz auszuruhen. Die Katastrophe ging weiter, denn da das Personal offensichtlich unfähig war ordentlich zu putzen, mussten wir schließlich selbst mitanpacken! So etwas habe ich noch nie erlebt!!!
Der Sightseeing-Trip durch Cádiz in den folgenden Tagen war zwar wunderschön aber unerträglich heiß. Außerdem dauerte er aufgrund der Erkrankung eines Fahrgastes viel länger als geplant. Wie kommt man auf die Idee eine kranke Person mitzunehmen und die Reise dadurch zu verzögern?!? In Spanien gibt es sicher gute Ärzte, man hätte sie einfach da lassen können!!! Ich will ja nicht taktlos sein, aber irgendwo hört mein Mitgefühl auf!!!











Cádiz mit Catedral de Santa Cruz sobre las Aguas (zu komplizierter Name)
Sancti Petri:
Ankern in einem Fluss – auf so eine dumme Idee muss man erst einmal kommen. Im Schneckentempo schafft die Besatzung es, das uralte und marode Schiff gegen die Strömung zu manövrieren – zu Fuß wären wir schneller gewesen und auch weniger angespannt. Fest an einer Boje wird uns angeboten in der reißenden Flussströmung zu baden, direkt neben einer stehenden Gezeitenwelle – extrem gefährlich!! Mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen (zwei dünne Leinen am Heck des Boots) probieren wir es trotz des mulmigen Gefühls. Es war kalt. Der karibische Abend mit Rumpunsch und Beans & Rice war sicher nett gemeint, aber schlecht organisiert. Als eine alte, stinkende Hängematte am Bug aufgehängt wurde, kam dann doch kurz Urlaubsstimmung auf (da hat wohl bereits der Rum aus uns gesprochen).





Doch das dicke Ende kommt noch! Vor der Lärmbelästigung durch herumbrausende Jetskis wurden wir gewarnt (als ob es das besser machen würde), als jedoch gegen 22:00 Uhr am Strand ein Popkonzert mit tausenden Zuschauern beginnt, fühlen wir uns wie bei der versteckten Kamera. Der ganze Spuk dauert bis 4:00 Uhr in der Früh – eine ABSOLUTE ZUMUTUNG. Das ganze auch noch in ausländischer Sprache. Aufgrund dieser Ereignisse versuchen manche Gäste am nächsten Tag das Schiff zu verlassen und an Land zu schwimmen. Die Crew zwingt sie jedoch zurück zu kommen und voll besatzt geht es weiter mit unserem Horrortrip. Wegen der überdimensionalen, als Innovation angepriesenen Sonnenschutztücher müssen wir uns die Ausfahrt aus dem Fluss wenigstens nicht ansehen.











Bojenfeld Caño de Sancti Petri (Lärmbelästigung pur)
Barbate:
In Barbate angekommen waren wir einfach nur froh endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und dann überfällt einen diese GOTTLOSE HITZE. Weit und breit kein Strand um sich abzukühlen in Sicht (denn eine Mauer versperrte den Ausblick und forderte einen Umweg von gut 1,5 km) und die Stadt ist auch gute 2 km entfernt. Unzumutbar!!! Da versteht man, wieso Cristóbal Colon den Entschluss gefasst hat, Spanien zurück zu lassen und in die neue Welt aufzubrechen.
Das einzig Gute an diesem Ort waren die Thunfischdelikatessen im Marinalokal – Grillen können sie, die Spanier. Das Essen genießen war dann aber schon wieder zu viel verlangt, denn kaum führten wir die erste Gabel zum Mund, ging es schon los. Es überfielen uns unzählige Gelsen, die vom Kopf bis zum Zeh nichts verschont ließen. So etwas vermiest dann schnell das köstlichste Essen und den gesamten Abend!!! Damit stand sofort fest, am nächsten Tag reisen wir ab, so etwas lassen wir uns nicht zweimal bieten.





Marina Barbate (mehr Tiere als Leute – Orcas, Thunfische, Gelsen, Katzen,…)
Bolonia:
An dieser Stelle muss ich anmerken, dass diese Reise ausdrücklich als WHALEWATCHING-Tour beworben wurde. Täglich wurden akribisch die Livemaps der aktuellen Aufenthaltsorte der begehrten und wunderschönen Meeressäuger studiert. Doch: Fehlanzeige. KEINEN EINZIGEN Orca konnten wir bewundern, nur eine höchstens mittelgradige Schildkröte räkelte sich neben dem Schiff. Man hatte sogar zeitweise den Eindruck, die Crew hatte ANGST davor, einem Orca zu begegnen und wich den Orca-Hotspots heimlich aus.



Besonders bizarr stellte sich die Nacht in der berühmten Bucht von Bolonia dar. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Bei Ankunft machten wir uns bereit, die Insel zu erkunden, aber wieder FALSCH GEDACHT. Das Transportboot und der zugehörige Antriebsmotor waren nicht einsatzbereit, und das offenbar bereits seit mehreren (!) JAHREN. Schließlich wagten wir uns mit einigen anderen Verrückten ins Wasser, um die Distanz zum Strand schwimmend zurückzulegen – es waren wohl bis zu 0,1 Seemeilen, das sind umgerechnet MEHRERE Meter. Fahrlässig! Am Strand selbst gab es abgesehen von riesigen weißen Sanddünen und einem SEHR alten, kaputten römischen Amphitheater absolut NICHTS zu sehen. Das Bier war eher warm. Außerdem wurden wir fast von Schlangen gefressen.
Das Abendprogramm war ein schlechter Scherz. Unsere Sitzplätze bei der Theatervorführung des Amphitheaters waren hinter der Bühne und außerdem gut einen Kilometer entfernt. In der deftigen Lasagne war zu viel Käse und im fruchtigen Rumpunsch waren keine Eiswürfel.










Bolonia (Verwechslungsgefahr mit einer italienischen Stadt)
Ich erwarte eine umgehende und vollständige Rückerstattung der angefallenen Kosten inklusive all jener Ausgaben, die für unseren Folgeurlaub getätigt wurden, da wir diesen durch den Stress und den seelischen Schaden und so weiter nicht genießen konnten. Andernfalls werde ich meine Erlebnisse mit Ihrer Organisation ausführlich auf google maps beschreiben und dann können Sie einmal sehen was Sie davon haben!!!!1
Wütend und enttäuscht,
Andi, Pia, Benni, Bernhard
