
Hui, nur noch 6 Tage. Die wichtigste Nachricht zu Beginn: Das Schiff ist im Wasser! Am Pfingstmontag darf Mêlée nach 8 Monaten am Trockenliegeplatz in der Werft wieder zurück in die Cantieri Marina am Fluss Corno. Der für Samstag angesetzte Krantermin wird kurzerhand auf Montag verschoben. Das überrascht uns nur noch wenig.

Überraschender ist, dass die Werftmitarbeiter Freitag, Samstag und Montag auf Hochtouren arbeiten – teils gleichzeitig zu viert an Bord an unterschiedlichen Baustellen. Haben sie sich doch im Zeitplan verschätzt, oder ist es wirklich angenehmer auf den letzten Drücker bei 30°C?

Naja, am Montag um 16:30 Uhr ist der Moment gekommen. Mêlée wird mit dem Travellift hochgehoben und im Wasser wieder abgesetzt.

Ein Kontrollgang eines Arbeiters am Schiff und Mêlée wird kurzerhand wieder hochgehoben. Aufgeregte Diskussionen von fünf Männern, die unter dem Schiff unseren Tiefenmesser begutachten, der wohl leckt.

Das Problem lässt sich dann aber rascher lösen als erwartet. Da der Motor noch nicht einsatzbereit ist (Wärmetauscher und Auspuff sind noch in der Werkstatt) wird Mêlée relativ ungeschickt, von einem Gummiboot begleitet, auf den Wasserliegeplatz gezogen, gedrückt und geschoben.

Auf unsere Frage, ob das kleine Problem mit dem Lotgeber denn gelöst wurde antwortet der Mechaniker beim Verlassen des Schiffs: It should be ok for now. Hmmmm…
Während wie oben erwähnt noch viel am Schiff gearbeitet wird, gehen wir höflich den Mechanikern, Installateuren, Tapezierern, Elektrikern, Polierern und Rudi aus dem Weg und verbringen unsere Zeit dafür am Pool der Marina.

Während wir Zeit totschlagen, beobachten wir die pool lady beim Zeit totschlagen:
12:45 Ankunft Bernhard und Pia am Marinapool. Zwei sonnenbadende Gäste sind anwesend, 49 Sonnenliegen sind unbenutzt. Die Pool-Lady hält uns mit der Frage nach einer Reservierung auf. Wir schauen fragend, sie rollt mit den Augen, gewährt uns aber die nachträgliche Reservierung für heute. Wir reservieren gleich auch für den nächsten Tag, weiter im Voraus ist leider nicht möglich. Dank der Eintragung in die Reservierungsliste ergattern wir zwei Liegen, dann sind nur noch 47 frei. Dann einsames Baden im Pool. Die Sonnenbadenden verlassen das Gelände, drei neue tauchen auf – nur noch 46 Liegen frei. Die Pool-Lady beginnt mit ihren Tätigkeiten: Pool reinigen, Rasensprenger aufdrehen, eingehendes Studieren der Reservierungsliste mit insgesamt drei Namen darauf, Sonnenliegen waschen, Boden schrubben. Dann alles wieder von vorne. Ihr T-Shirt gibt preis, dass sie wohl auch Rettungsschwimmerin ist. Die maximale Tiefe ist 1,40 m, aber sicher ist sicher.

Zeitsprung.
16:30 Pia und Bernhard sitzen an der Poolbar. Es regnet, doch das schreckt pool lady nicht ab. Sie wäscht 40 Minuten lang im Nieselregen die Liegen. Dann wieder der Rasensprenger, die Reservierungslisten studieren, Pool reinigen. Wir sitzen unter dem Regenschirm und sind fasziniert von dieser Konsequenz.

Der nächste Tag
11:00 pool lady reichts mit uns. Wir sollen nicht nach Lust und Laune vorbeikommen und uns auf die Liste eintragen, sondern tunlichst am Vormittag anrufen und telefonisch unsere ausländischen Namen buchstabieren, damit sie uns auf die Liste schreiben kann. Dazu ein Limerick:
Die Lady beim Pool ist ganz alleine.
Sie putzt die Sonnenliegen und Bodensteine.
Nur mit Reservierung ist ein Platz zu kriegen.
Sie putzt auch im Regen die leeren Liegen.
Badegäste gibt es keine.
In den Mittagspausen der Arbeiter und am Sonntag können wir auch noch ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen. Alle to-do Listen sind über Bord geworfen und wir versuchen noch ein paar nervige Tasks fertig zu kriegen.
Unsere letzten Wochen an Land bestehen aus Bootsbedarf besorgen (hier noch Polierpaste, dort ein Weichschrubber, da noch ein neues Fall,…), Ausräumen der Wohnung und Verfrachten unseres Hab und Guts in Bernhards früheres Kinderzimmer und aufs Schiff. Eine schwierige Planung: Ok, das Ziel ist die Karibik, Start im Mittelmeer ist im Juli – wie viele Pullis brauch ich!? Wie viele Pfannen sind praktikabel? Und wie viele Bücher sind zweckmäßig und wann wird es prätentiös? Es wird sich weisen.












