Drei Inseln

Was für eine lange und abwechslungsreiche Woche. Es fühlt sich an, als hätten wir Lanzarote schon vor Wochen hinter uns gelassen, dabei sind es erst vier Tage.

Zum Wochenbeginn merken wir, dass es uns langsam reicht mit dieser Marina, diesen Restaurants, dem Steg. Unserem freundlichen, gut gelaunten Stegnachbarn Ray, der uns jeden Tag fragt ob wir schon unsere neuen Batterien haben. Wir teilen ihm dann mit, dass Valentino, der Batteriemann, wohl verschollen ist und auch die Werft ihn nicht mehr erreicht, worauf er seufzend antwortet: That’s not good – und dann links und rechts mit Nachbarn plaudernd den Steg entlangspaziert. Jeden Tag aufs neue. Lagerkoller wäre übertrieben, aber nahe dran.

Aber wir warten ja auf den Rigger, der Dienstag Vormittag mit nur einer knappen Stunde Verspätung auftaucht. Ergebnis des Riggchecks: Wir sollten mal einen ordentlichen Riggcheck machen. Herrje!! Der offizielle Prüfbericht vom Riggerboss fällt schriftlich auch nicht deutlicher aus. Eventuell sollten wir zwei etwa 10 cm lange Befestigungen austauschen. Oder doch alles? Oder nur alle Befestigungen? Wir telefonieren mit Werften auf Teneriffa und Gran Canaria. Keine klaren Ansagen. Nach Tagen schaffen wir es aber einen Fix(?)termin für Gran Canaria auszumachen, die sich alles nochmal ansehen und auch innerhalb von zwei Wochen einen kompletten Riggtausch vornehmen könnten, wenn notwendig. Ob notwendig, weiß keiner. Fürs Erste bleibt uns mal nichts übrig, als guter Dinge zu sein.

Etwas abgezockt und verwirrt haben wir jetzt erst recht einen Grund, Lanzarote rasch hinter uns zu lassen. An unserem Abschlussabend gesellen sich Vera und Josef, die ab Dienstag die Insel erkunden, zu uns. Solang man mit keiner Schiffswerft zu tun haben muss, jedenfalls ein schönes Urlaubsziel. Bei Sangria, gutem Essen und netter Gesellschaft lassen wir die Woche ausklingen um am nächsten Tag gleich wieder eine längere Etappe zu starten. Eine gute Gelegenheit uns wieder die schönen Seiten des Segelns in Erinnerung zu rufen – nämlich ziemlich alles außer mit Werften zu tun zu haben. 

Die Überfahrt nach Teneriffa dauert etwas mehr als einen Tag und bietet, wie der Vortag, die gesamte Gefühlspalette. Halbwind – traumhaft! Die Wellen sind lang und hoch, schütteln uns aber nicht wie verrückt durch. Und wir sind wieder deutlich schneller als gedacht. Überraschend: Erstmals nach fast vier Monaten leiden wir unter Seekrankheit. Nicht stark, aber doch so, dass wir die guten Bedingungen nicht wirklich genießen können. Waren wir zu lange an Land? Oder doch der Sangria? Jedenfalls verbringen wir den Großteil des Tages in therapeutischer Horizontalposition. Spätestens bei der Ankunft in Santa Cruz geht es uns aber wieder gut und wir starten den oben beschriebenen Telefonmarathon mit diversen Mechanikern auf Gran Canaria.

Santa Cruz, Teneriffa

Am nächsten Tag starten wir vormittags mit dem Bus Richtung Santiago del Teide im Westen der Insel, wo wir meine Großeltern besuchen. Die Anreise per Schiff hätte uns leider zu viel Zeit gekostet, da wir allerspätestens am Dienstag schon in Gran Canaria sein müssen. Zum Abendessen gibts Schnitzel. Und zwar authentisches Schnitzel ohne Tunke, da es im Ort ein österreichisches Lokal gibt. Dazu burgenländischen Grünen Veltliner. Würde man ja sonst im Urlaub nicht machen, aber nach dieser Zeit hat das schon was. Danach wollen wir noch auf einen Absacker in die Bar des großen Hotels nebenan, was wir vor 10 Jahren schon einmal gemacht haben. Diesmal jedoch werden wir von einem Securitymann mit Schlagstock und Handschellen (beides kommt nicht zum Einsatz) hinausgeleitet. Darf man wohl nicht mehr. Dann verkrümeln wir uns eben ins Hostel und verbringen unsere insgesamt dritte Nacht der Reise an Land. Nach chillen am Pool, einem english breakfast zum Mittagessen und einem Kaffee gehts leider schon am nächsten Tag mit dem Bus wieder zwei Stunden zurück nach Santa Cruz, wo unsere Mêlée auf uns wartet.  

Playa de la Arena, Santiago del Teide, Teneriffa

Nach ein paar flautigen Tagen läuft die Überfahrt nach Gran Canaria besser als erwartet – ein stabiler Am-Wind-Kurs. Lediglich der digitale Kompass scheint verwirrt zu sein, da er unseren Ostkurs als Südkurs anzeigt. Spannend, aber nicht tragisch. Viel aufregender ist, dass wir kurz nach der Abfahrt von Santa Cruz zum erstem Mal von unserem Schiff aus einen Wal sehen. Ein einsamer Pilotwal. Und zur Draufgabe begleitet uns ein paar Stunden später für ca 15 Minuten eine größere Delfinschule mit mehreren Jungtieren. Wir erreichen Las Palmas auf Gran Canaria erst nachts und dürfen noch gespannt sein, wie es hier aussieht und was die Insel zu bieten hat. Neben Reparaturen und Vorbereitungen haben jetzt zwei Wochen Zeit, die Insel zu erkunden.